Osterandacht 2010
Ostern, so oft wie selten in den letzten Jahren tönt mir der „Osterspaziergang“ von Goethe in meinem Kopf. Die Schulzeit pulsiert hinter meinen Augen vorbei und ich denke, dass es schade ist, dass unsere Kinder scheinbar immer weniger mit Kultur konfrontiert werden.
Ostergruß
Liebe Kollegen und Kolleginnen!
Dieser allgegenwärtige Schnee, das späte Tauwetter, die Reste in Eis, die Rückkehr des Schnees und der Sonne, das meine Fenster wie gebrauchtes Butterbrotpapier aussehen lassen, hat mich erinnert an frühere Winter.
Ostern, so oft wie selten in den letzten Jahren tönt mir der „Osterspaziergang“ von Goethe in meinem Kopf. Die Schulzeit pulsiert hinter meinen Augen vorbei und ich denke, dass es schade ist, dass unsere Kinder scheinbar immer weniger mit Kultur konfrontiert werden. Diese findet mehr und mehr in sonntags geöffneten Möbelhäusern und auf Hüpfeburgen im Autohaus statt. Was werden sie sagen, wenn sie im Kindergarten gefragt werden, wie sie den Sonntag verbracht haben? Schlimmstenfalls war die Erzieherin auch dort.
Diese Pseudokultur hat auch etwas wie den Tot an sich, eine für mich negative Ausstrahlung, die etwas in mir zum Schweigen bringt und es in den Kindern wohl gar nicht erst zu Wort kommen lässt.
Eine Art inneres Singen, welches mit dem Leben selber zu tun hat und welches durch Gedichte und Lieder, nicht Schlager und Hits, wachgerufen wird. Diese Gedichte und Lieder, werden sie noch weiter getragen? Treffen sie noch auf Menschen, die sie in Schwingung versetzten, eine gefühlvolle Resonanz auslösen?
„Nein!“, sagt eine Stimme, alles verändert sich und das nicht zum Besten. „Ja, aber sicher!“, sagt eine andere, es gibt Hoffnung.
Na endlich, die „Osterstimme“. Alles ist tot, wird für tot gehalten und dann lebt es doch, Gott lebt und wir, und das was uns wichtig ist – doch, genauso wie es Wunder gibt, wie in der Osternacht…...
Und was ein Lächeln bewirken kann, an welches niemand glaubt:
Sie hieß Nina und war ein Mädchen, 16, mit schwerer geistiger und körperlicher Behinderung, sie wurde zur Therapie immer auf einem riesigen roten Ball gerollt, um die Muskeln zu entspannen. Sie verzog nie auch nur eine Miene. Als wir Ihr eines Tages ein Gedicht von Goethe vorlasen, lächelte sie, nicht einmal, nein immer wieder und wieder, bei diesem einen Gedicht, niemals sonst. Nichts anderes konnte sie erreichen, außer dem Traum einer jungen Liebe, die sie in diesem Leben niemals haben würde. Woran hat sie sich nur erinnert? Uns hat es damals bezaubert und tut es bis heute, wie sie unschwer erkennen können. Damals hat nur ihre Mutter uns geglaubt. Heute ist Nina lange schon erlöst, von ihrem schwierigen Körper. Wenn ich an Nina denke, ist immer Ostern, immer wieder.
Ich wünsche Ihnen die Geduld der Weinbergschnecke und den Mut der Rose. Wenn Sie es Ostern werden lassen, lächeln erzeugen, Verstehen hervorzaubern, wo es niemand vermutet hat, wirken sie Wunder, mit Gottes Hilfe!
Frohe Ostern!
Ninas Gedicht „des einmaligen Lächelns“:
Mit einem gemalten Band
Kleine Blumen, kleine Blätter
Streuen mir mit leichter Hand
Gute, junge Frühlingsgötter
Tändelnd auf ein luftig Band.
Zephyr, nimm's auf deine Flügel,
Schling's um meiner Liebsten Kleid !
Und so tritt sie vor den Spiegel
All in ihrer Munterkeit.
Sieht mit Rosen sich umgeben,
Selbst wie eine Rose jung :
Einen Blick, geliebtes Leben !
Und ich bin belohnt genung.
Fühle, was dies Herz empfindet,
Reiche frei mir deine Hand,
Und das Band, das uns verbindet,
Sei kein schwaches Rosenband !
Johann Wolfgang Goethe (1749-1832)
Der Herr ist auferstanden!!! - Er ist wahrhaftig auferstanden!!!
Herzliche Ostergrüße
Ihre und Eure Diakonin, Bigit-Patricia Eilenberger
Können Sie sich noch erinnern?..........Und dieses Jahr passt auch das Wetter!
Vor dem Tor
Vom Eise befreit sind Strom und Bäche
Durch des Frühlings holden, belebenden Blick,
Im Tale grünet Hoffnungsglück;
Der alte Winter, in seiner Schwäche,
Zog sich in rauhe Berge zurück.
Von dort her sendet er, fliehend, nur
Ohnmächtige Schauer körnigen Eises
In Streifen über die grünende Flur.
Aber die Sonne duldet kein Weißes,
Überall regt sich Bildung und Streben,
Alles will sie mit Farben beleben;
Doch an Blumen fehlts im Revier,
Sie nimmt geputzte Menschen dafür.
Kehre dich um, von diesen Höhen
Nach der Stadt zurück zu sehen!
Aus dem hohlen finstern Tor
Dringt ein buntes Gewimmel hervor.
Jeder sonnt sich heute so gern.
Sie feiern die Auferstehung des Herrn,
Denn sie sind selber auferstanden:
Aus niedriger Häuser dumpfen Gemächern,
Aus Handwerks- und Gewerbesbanden,
Aus dem Druck von Giebeln und Dächern,
Aus der Straßen quetschender Enge,
Aus der Kirchen ehrwürdiger Nacht
Sind sie alle ans Licht gebracht.
Sieh nur, sieh! wie behend sich die Menge
Durch die Gärten und Felder zerschlägt,
Wie der Fluß in Breit und Länge
So manchen lustigen Nachen bewegt,
Und, bis zum Sinken überladen,
Entfernt sich dieser letzte Kahn.
Selbst von des Berges fernen Pfaden
Blinken uns farbige Kleider an.
Ich höre schon des Dorfs Getümmel,
Hier ist des Volkes wahrer Himmel,
Zufrieden jauchzet groß und klein:
Hier bin ich Mensch, hier darf ichs sein
Aus Goethes Faust



