Familienberatung und -therapie
*Schwierigkeiten im System - Lösungen im System*
In der Familienberatung/ -therapie wird das Individuum, die Familie und das gesamte Umfeld als System betrachtet, als die Einheit, die beraten und behandelt wird. Sie versteht sich als Ergänzung, als übergreifendes Angebot zur pädagogischen Familienarbeit. In der Beratung/ Therapie geht es weniger um erzieherische Ratschläge oder das Orientieren an Defiziten und Problemen als vielmehr um das Aktivieren und das Stärken der elterlichen Ressourcen, die das Potenzial für Verhaltensveränderungen besitzen. Eine vertrauensvolle Beziehung, kontinuierlicher Kontakt, Respekt und Akzeptanz sind nur einige Bedingungen im Familiengespräch, die zum Gelingen beitragen können. Die Entfernung zum Wohnort spielt in der Familienberatung eine Rolle, ist aber kein Grund, um Beratung nicht durchzuführen! Ein klarer Arbeitsauftrag, genügend Zeit zum Üben neuer Handlungsstrategien und Absprachen über Ort, Dauer und Häufigkeit der Beratungsgespräche sind Grundvoraussetzungen für den Beratungsprozess und tragen zum Gelingen bei. Die Wünsche und Bedürfnisse der Klienten finden dabei Beachtung.
Vorteile, die Beratung im Haushalt der Familie durchzuführen, sind z.B.:
- Kennen Lernen der natürlichen Umgebung des Klienten
- Kennen Lernen der Familie
- Beobachten des Klienten in seiner vertrauten Umgebung und das Rollenverhalten innerhalb der Familie
- Einsparung von Beratungsstunden durch Erhalt von konkreten Informationen und Ansätzen zur Veränderung im Haushalt der Familie
Ein Nachteil, auf den sich die BeraterIn einstellen muss, ist, dass das Alltagsgeschehen (bellender Hund oder klingelnde Nachbarin) das Beratungsgespräch stören kann. Der "Heimvorteil" der Familie wirkt sich unterschiedlich aus. Während die Einen sich nicht frei und offen auf das Gespräch einlassen können, erhalten die Anderen die notwendige Sicherheit durch das eigene Zuhause. Weniger von äußeren und inneren Reizen beeinflusst sind die Räumlichkeiten des Therapeutischen Dienstes in der Stiftung. Den TherapeutInnen obliegt es, herauszufinden, welcher Ort hilfreich für den Prozess ist.
Familienberatung und -therapie als Zusatzangebot
In allen Bereichen der Stiftung Evangelische Jugendhilfe ist die Familienberatung/ -therapie nutzbar. Für erzieherische Hilfen, die nicht therapeutisch ausgerichtet sind, können Familien über Vereinbarungen zu Fachleistungsstunden mit dem jeweiligen Jugendamt, Familienberatung/ -therapie in Anspruch nehmen. Die ausgebildeten TherapeutInnen, die nicht unmittelbar am und mit dem Problemkind arbeiten, können leichter als die im Fall involvierten PädagogInnen, im Familiengespräch eine allparteiliche Haltung sowie Distanz wahren. Diese Grundhaltungen sind Voraussetzung für einen gelingenden Beratungs- und Therapieprozess.



