Ressourcenorientierte Diagnostik
*"Sehen, was funktioniert"*
Zu Beginn der therapeutischen Begleitung führen die TherapeutInnen diagnostische Schritte durch, die wie der gesamte pädagogisch-therapeutische Prozess ressourcenorientiert sind. Es werden unter anderem die Stärken und Interessen der Jugendlichen erfasst und wahrgenommen, um eine positive Einstellung bei allen Beteiligten herzustellen. Diese Stärken und Interessen werden im weiteren pädagogischen und therapeutischen Verlauf genutzt, um das Selbstwerterleben des Jugendlichen zu stärken. Die Erfahrungen zeigen, dass standardisierte Diagnostikverfahren der Klinischen Psychologie für den therapeutischen Prozess im stationären Setting der Heimerziehung wenig hilfreich sind. Darüber hinaus liegt in der Regel bei den Betreuten eine Diagnostik durch stationäre Psychiatrieaufenthalte vor. Da die klassische Diagnostik wenig oder gar keine konkreten (Be-)Handlungshinweise zur Verfügung stellt, sind durch den Therapeutischen Dienst bedarfsgerechte Verfahren für die heilpädagogisch-therapeutische Arbeit entwickelt worden, deren Ergebnisse konkrete Hinweise liefern, wie pädagogisch und therapeutisch mit dem jungen Menschen erfolgversprechend gearbeitet werden kann.
Ein Beispiel für ein selbstentwickeltes Verfahren ist ein Gesprächsleitfaden, mit dessen Hilfe mit dem jungen Menschen erarbeitet wird, wie er bestimmte regelmäßig wiederkehrende Abläufe, Strukturen und Werte zu Hause, in der Peer-Group und in der Wohngruppe wahrnimmt.
Beispielsweise wird ein durchschnittlicher Tagesablauf berichtet, wie der junge Mensch ihn von zu Hause kennt. Dann schildert er den Ablauf, wie er ihn in seiner Wohngruppe kennen gelernt hat. Erfragt wird dann, welcher ihm warum besser gefällt. Schließlich wird eine Einschätzung erbeten, welche Elemente welchen Tagesablaufs bezüglich bestimmter Entwicklungsmöglichkeiten und Ziele (z.B. regelmäßig zur Schule Gehen) günstiger sind. Die Ergebnisse dieses Verfahrens geben direkte Hinweise, worauf in der pädagogischen Arbeit besonders geachtet werden sollte, welche Hilfestellungen sich günstig auswirken könnten. Diese Hinweise werden auch mit den Eltern besprochen, um entsprechende familiäre Veränderungen einzuleiten.
Unsere KlientInnen genießen es meistens, mehr auf ihre Fähigkeiten als auf ihr Unvermögen zu achten und erleben sich dadurch motiviert, diese Fähigkeiten in alltäglichen Situationen und Schwierigkeiten verstärkt einzusetzen.



