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Kulturübergreifende Therapieangebote im Salzlandkreis: Zentrum für transkulturelle Psychotherapie lädt zum Frühlingsempfang

Bernburg 8.3.2023

Unser Zentrum für transkulturelle Psychotherapie (ZtP) ludt auch in diesem Jahr wieder zum Frühlingsempfang Im Fokus stand die Netzwerkarbeit für Psychotherapie im Salzlandkreis, sowie die interkulturelle Kooperation und der Austausch zwischen Fachleuten zu einem immer wichtiger werdenden Thema.

Das Zentrum ist für die Region von großer Bedeutung, da einerseits die psychotherapeutische Versorgung sehr begrenzt ist und es aber einen großen Bedarf im Salzlandkreis gibt. Zudem gibt es kaum Angebote an Psychotherapie mit Sprachmittler*innen, also für Menschen mit Migrationshintergrund. Dieser Bedarf ist nun insbesondere vor dem Hintergrund der aktuellen politischen und gesellschaftlichen Ereignisse stetig wachsend. Das ZtP arbeitet transkulturell, d.h. unabhängig von Kultur, Nationalität und anderen kulturspezifischen Merkmalen, damit wollen wir einen Teil dazu beitragen, dass sich unterschiedliche kulturellen und gesellschaftlichen Gemeinschaften miteinander verbinden.

Psychotherapeutische Behandlungen für Kinder und Jugendliche mit und ohne Migrationshintergrund

In Bernburg bietet das Zentrum für transkulturelle Psychotherapie (ZtP gGmbH) psychotherapeutische Behandlung von Kindern und Jugendlichen mit und ohne Migrationshintergrund an. Bei der Diagnostik und Therapie werden die kulturellen Gegebenheiten berücksichtigt, außerdem kooperiert das Zentrum für transkulturelle Psychotherapie u.a. mit Migrationsberatungsstellen und Psychosozialen Zentren. Die Angebote richten sich an Kinder und Jugendliche zwischen 4 und 21 Jahren mit psychischen Erkrankungen oder Störungen wie unter anderem Ängste, Depressionen, Anpassungs- und Belastungsstörungen oder Essstörungen. Bei Bedarf kann ein*e Sprachmittler*in hinzugezogen werden. Die Anmeldung erfolgt telefonisch und eine Sitzung dauert 50 Minuten.

Das Angebot, welches vor zwei Jahren von der St. Johannis GmbH, einer Tochterfirma der Stiftung Evangelische Jugendhilfe, eingeführt wurde, wird sehr gut angenommen und erhält viel Unterstützung von anderen Einrichtungen und Kolleg*innen, außerdem entwickeln sich hilfreiche Kooperationen mit Kitas, Schulen, Horten, Wohngruppen, Jugendämtern, Kliniken, Praxen für Ergotherapie und Logopädie und Haus- und Kinderärzt*innen.

2022 insgesamt 257 Patient*innen behandelt

Anja Könnecke, Kinder- und Jugendpsychotherapeutin und Leiterin des ZtP und ihre Kollegin Maike Schumacher, Kinder- und Jugendpsychotherapeutin sprechen vor den Anwesenden über den Arbeitsalltag des ZtP und lassen das letzte Jahr Revue passieren. Die Reden der beiden Psychologinnen können Sie unten stehend nachlesen.

Zudem berichtet die Saadet Ismayil, Teamleiterin des unseres Psychosozialen Zentrums Magdeburg was die Besonderheiten in der Therapie von Geflüchteten Menschen mit einem anderem kulturellen Hintergrund sein können.

Rede Anja Könnecke, Kinder- und Jugendpsychotherapeutin und Leiterin des ZtP

Liebe Gäste, Kolleg*innen, Kooperationspartner*innen und Freund*innen,

wir begrüßen Sie herzlich zu unserem Frühlingsempfang in unserem Zentrum für transkulturelle Psychotherapie und freuen uns sehr, dass Sie den Weg zu uns gefunden haben.

Für alle, die uns noch nicht so gut kennen: Zu unserem Team gehören Anke Toure, unsere Teamassistenz und Maike Schumacher, Verhaltenstherapeutin für Kinder- und Jugendliche. Unsere Bereichsleiterinnen im Migrationsbereich sind Sarah Baginski und Tatiana Katcheishvili. Ich bin Anja Könnecke, ebenfalls Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeutin (tiefenpsychologisch orientiert).

Der ein oder andere unter Ihnen, der auch im letzten Jahr hier war, erinnert sich vielleicht an mein Gleichnis des ZtPs mit der Entwicklung eines Kindes. Ich sprach davon, dass auch das ZtP am Anfang seiner Entwicklung steht und wir es mit vereinten Kräften dabei unterstützen werden, Schritt für Schritt voranzuschreiten. Und, liebe Gäste, ich darf Ihnen heute voller Freude und Stolz berichten: Die ersten Schritte sind getan und die Blessuren sind überschaubar.

2022 haben wir insgesamt 257 PatientInnen in unseren Räumen begrüßt und behandelt, davon 31 PatientInnen mit Migrationshintergrund. Darüber hinaus haben wir insgesamt 5 Fachtage und Weiterbildungsveranstaltungen als Referentinnen gestaltet. Die Möglichkeit zur Vernetzung und die damit verbundene gegenseitige Wertschätzung und Unterstützung empfinden wir als äußerst hilfreich. Deshalb sind wir gern beteiligt am Fachteam im Stadtteilhaus, der Intervision mit den Kolleginnen der Kita „Kleine Stifte“ sowie der Intervision mit den Kolleginnen aus den Psychosozialen Zentren in Magdeburg und Halle.

Die Supervision mit den ukrainischen Kolleginnen aus dem PSZ in Magdeburg und die Behandlung einer Patientin im Kirchenasyl empfanden wir ebenfalls als sehr bereichernd.

Inzwischen haben sich einige Abläufe in unserem Alltag etabliert und wir können den ein oder anderen Schritt schon ohne eine helfende Hand oder ein Geländer wagen.

Zum diesjährigen Frühlingsempfang möchten wir unsere Ausrichtung in den Mittelpunkt rücken, wir arbeiten „transkulturell“. Wenn man googelt findet man unter diesem Begriff folgende Erklärung: „Transkulturalität geht im Gegensatz zur Interkulturalität und Multikulturalität davon aus, dass Kulturen nicht homogene, klar voneinander abgrenzbare Einheiten sind, sondern, besonders infolge der Globalisierung, zunehmend vernetzt und vermischt werden.“ Kulturen sollen sich also miteinander verbinden und eine Gemeinschaft werden, unabhängig ihrer Nationalität und anderen kulturspezifischen Merkmalen.

Das klingt schön und logisch, ist allerdings oft leider gar nicht so einfach und erst recht nicht selbstverständlich. Besonders deutlich wird das aus meiner Sicht, wenn wir uns an einige erschütternde Ereignisse des vergangenen Jahres erinnern.

Ich bin nicht sicher, was genau eine transkulturelle Grundhaltung schärfen kann, aber ich möchte an dieser Stelle die Worte des österreichischen Neurologen und Psychiater, Victor Frankl, aufgreifen.

Er sagte: „Unsere größte Freiheit ist die Freiheit, unsere Einstellung zu wählen.“ Vielleicht ist also ein wesentlicher und entscheidender Schritt in Richtung Transkulturalität, dass wir uns bewusst dazu entscheiden, transkulturell zu denken, zu fühlen und zu handeln.

Und das, liebe Gäste, haben wir so gut wir konnten im vergangenen Jahr getan und wir versuchen es in Zukunft immer wieder, da bin ich sicher. Und ich darf an dieser Stelle auch mit fester Stimme für sie sprechen.

Wir möchten Ihnen herzlich danken, für Ihre Bereitschaft diese Freiheit zu nutzen und allen damit verbundenen Widrigkeiten zu trotzen und wir möchten Ihnen danken, dass sie heute hier sind und uns auf unserem transkulturellen Weg weiterhin begleiten und unterstützen.

Rede Maike Schuhmacher, Kinder- und Jugendpsychotherapeutin

Herzliches Willkommen auch von mir und ich freu mich euch mehr über unsere Erfahrungen in der Arbeit mit Menschen mit Migrationshintergrund berichten zu können.

Zunächst ist zu sagen, dass die Anmeldung meist über vorhandene Helfersysteme erfolgt – für diese enge Zusammenarbeit wollen wir uns rechtherzlich bei euch bedanken.

Dadurch scheint ein schnellerer Zugang zwischen Patient und Therapeut ermöglicht zu werden. Dies dient als „Türöffner“ für den therapeutischen Prozess.

Uns allen ist sicherlich bewusst, dass an Orten wo unterschiedliche Kulturen aufeinandertreffen es manchmal zu interessanten Situationen kommen kann.

So kam es bereits vor, dass Patienten beispielsweise einfach in den Raum reinkamen oder dass sie in Begleitung vieler Familienangehöriger erschienen.

Auch das Arbeiten mit Dolmetscher aufgrund der sprachlichen Barriere war zunächst eine ungewohnte Herausforderung.

Dolmetscher als große Bereicherung in der Verständigung und Verdeutlichung von Sorgen und Wünschen seitens der Patienten. Diese treten als Vermittler sehr intimer und persönlicher Belange im therapeutischen Prozess auf.

Es ist daher schön zu sehen, dass Patienten mit Migrationshintergrund uns und den Dolmetschern einen sehr großen Vertrauensvorschuss diesbezüglich gewähren. Gerade wenn auch nicht immer die gleichen Dolmetscher zur Verfügung stehen.Die Übersetzung bedarf zudem teilweise auch mehr Zeit, sodass das Zeitmanagement innerhalb der Stunde angepasst werden muss.höherer organisatorischer Aufwand hinsichtlich der Terminvereinbarung bzw. –absagen, sowohl Dolmetscher als auch Patienten informieren. Oder ebenso in der Organisation von Dolmetschern gerade bei sehr seltenen Sprachen entsteht ein Mehraufwand. Die Bereitstellung eines Dolmetschers bietet aber auch das Risiko, dass die Gelegenheit genutzt wird, um andere Themen beispielsweise Behördenschreiben anzusprechen.

Umdenken in der diagnostischen oder therapeutischen Arbeit:

Durch die Schaffung technischer Gegebenheiten (Telefon oder Video-Meetings) kann beispielsweise der Dolmetscher zugeschalten werden

Detailliertere Erklärung bezüglich Psychotherapie

Unterschiedliches Verständnis bezüglich bestehender Symptomatik

(Bsp. werden magische/spirituelle Zusammenhänge/Ursachen bei bestimmten Symptomen aufgeführt)

Auch liegt der Fokus teilweise auf eher körperlichen Beschwerden (Bsp. werden Bauchschmerzen eher angegeben als eine Zusammenhang zwischen Gefühlen und Symptomen)Ausführliche Beschreibung zu Krankheitsbildern scheint daher unerlässlich. Durch die Wahl anderer Interventionen, wie beispielweise Metaphern oder Geschichten bietet sich aber hier die Möglichkeit einen besseren Zugang zu den Patienten zu erhalten.Die Absprache der Rahmenbedingungen (Bsp. Termindauer, Absagen von Terminen, Pünktlichkeit, aber auch was Erläuterungen zu den eher langen Wartezeiten bezüglich der Termine betrifft)

Diskrepanzen zwischen Therapiezielen und den Werten der Herkunftskultur aufzutreten – Erwartung an Therapie sollte unbedingt thematisiert werden, betonen, dass „Gespräche hilfreich und heilsam sein“ können.

Therapie als Prozess zu verstehen ist, der eine Menge Zeit und Geduld benötigt. Auch die Rückmeldung zu unterschiedlichen Behandlungsmethoden scheint wichtig zu sein – dass beispielsweise Psychotherapeuten keine medikamentöse Behandlung durchführen können. Grundvoraussetzung bei der Psychotherapie mit Kindern und Jugendlichen –  Zusammenarbeit mit den Sorgeberechtigten bzw. des Familiensystems (Verständnis bezüglich der Wirksamkeit von Therapie, zur Therapie bringen).

Abschließend möchte ich sagen, dass wir in unserer alltäglichen Arbeit mit Patienten und deren Familien eine gewisse Offenheit und Neugier im therapeutischen Prozess brauchen.

Und wir auf weitere Erfahrungen gespannt sind.  

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