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Frohe Weihnachten? – Weihnachtsbrief

Liebe Freundinnen und Freunde,
liebe Geschäftspartnerinnen und Geschäftspartner,
liebe Kolleginnen und Kollegen

Gerade habe ich meinen letzten Weihnachtsbrief noch einmal durchgelesen, man will ja nicht in die Gefahr kommen sich zu wiederholen. In der Rückschau würde ich sagen, er ist doch sehr theologisch, theoretisch ausgefallen. Also dieses Jahr vielleicht etwas praktischer.

Fangen wir mit menschlichen Engeln an, Engel passen ja schließlich zu Weihnachten! Unsere Friedensengel wurden erstmalig von uns ausgezeichnet. Menschen und Organisationen mit besonderem Profil waren nominiert, die, die sich für andere Menschen eingesetzt und etwas für den Frieden und die Aussöhnung unternommen haben. Frau Barley, als damalige Justizministerin, hielt eine sehr intensive Laudatio.

Geehrt wurde der Zahnarzt Dr. Thomas Baum: Unermüdlich hilft er Menschen in armen Ländern bei der zahnärztlichen Versorgung, baut Stationen auf und spendet seine Zeit und sein Geld für diese wichtige Tätigkeit.

Michael Marquardt erhielt den Preis für sein Engagement bei der Völkerverständigung, den Kampf gegen Ausgrenzung und seinen Beitrag zur Aussöhnung. Der Verein „Wir helfen e. V.“ wurde ausgezeichnet für seine Unterstützung von Initiativen, die etwas gegen Kinderarmut leisten und sich um Kinder und Jugendliche kümmern, denen es nicht so gut geht in unserer Gesellschaft.

Ja – und da ist auch schon der Übergang. Vom Engel hin zum Kind. Ein armes Kind liegt in der Krippe und wird von den Engeln angekündigt als Retter der Welt und Friedensfürst. Widmen wir uns also den armen Kindern, die nicht im Himmelbett geboren wurden, sondern eher im Stroh oder schlimmer noch auf der Erde schlafen müssen. Ja, Sie lesen richtig, auf der Erde schlafen. Leider müssen wir in den Projekten unserer Sozialpädagogischen Familienhilfe immer wieder feststellen, dass sich Kinder in manchen Familien nicht nur Zimmer sondern auch Matratzen und Betten teilen müssen, das diese zum Teil vollkommen verschmutzt, kaputt oder gar nicht vorhanden sind. Ein Kinderwunsch ist, eine Matratze zu besitzen, bei der nicht die Metallteile zu spüren sind und ein weiterer, ein eigenes Bett zu haben. Es ist schon skurril, dass wir in unserer reichen Gesellschaft eine Aktion starten „Jedem Kind sein eigenes Bett“, so wie wir das in Halle in unserer Jugendwerkstatt, unter großer medialer Begleitung, getan haben. Hier sammeln wir Spenden und wollen mindestens 15 Kinderzimmer kindgerecht ausstatten.

Kinderarmut in Deutschland ist ein Thema! Alle Parteien sind sich einig und dagegen. Ich konnte mich bei einer Armutstagung in Magdeburg unter Beteiligung Deutscher Bundestagsspitzenkandidat*innen aller Parteien davon überzeugen. Jede Partei hat ein etwas anderes Programm, die Kinderarmut zu bekämpfen. Nur vor lauter Disput kommt man nicht zu einer Lösung. Ich wurde auf der Tagung von einem Bundesparteivorsitzenden aufgeklärt: „Herr Roth Sie wissen doch, auch wenn sich die Parteien alle einig sind, in unserem demokratischen Verfahren dauert es mindestens drei Jahre bis wir einen Lösungsbeschluss fassen.“ Als Beispiel wurde mir die Abschaffung der 10 € Praxisgebühr vor Augen gehalten, die alle Parteien nach der Einführung für falsch hielten, deren Abschaffung aber drei Jahre dauerte! Also warten wir noch ein paar Jahre bis politisch etwas unternommen wird, um die Kinderarmut zu bekämpfen oder starten selbst Aktionen wie „Jedem Kind sein eigenes Bett“.

Besonders hat uns im letzten Jahr die Unterbringung von Kindern im Alter von 0 bis 3 Jahren betroffen gemacht. Immer mehr Kinder dieser Altersklasse, die zum Teil noch gar nicht geboren sind, werden in unseren Wohngruppen zur Unterbringung angefragt! Pflegeeltern stehen nicht im ausreichenden Maß zur Verfügung oder können sich aufgrund der strukturellen Gegebenheiten dieser Altersklasse nicht annehmen. Das Problem ist, dass die Pflegeeltern aufhören müssten zu arbeiten, während leibliche Eltern in die Eltern- und Erziehungszeit gehen könnten und weiterhin einen Teil ihrer Bezüge erhielten. Fachlich spricht viel mehr dafür, das Kind in einer Familie aufzunehmen. Bindungen können so viel besser entstehen als im Schichtdienst, die Ansprache kann in der Familie viel individueller erfolgen, die Störeinflüsse sind wesentlich weniger als in einer Wohngruppe mit 8 weiteren Kindern.

Wir haben lange gegrübelt und nach Lösungen gesucht, wie wir diesen Kindern besser gerecht werden können. Herausgekommen ist dabei die Idee der „Pflegenester“. Eine Familie wird zum „Pflegenest“ und kann bis zu zwei Kleinstkinder aufnehmen. Ein Familienmitglied erhält ein sozialversicherungspflichtiges Arbeitsverhältnis mit uns, ist so finanziell versorgt und kann sich um die Erziehung der Kleinstkinder kümmern. Immer 10 Familien bilden eine „Pflegenester Gruppe“, die von einem Sozialpädagogen oder einer Psychologin individuell engmaschig begleitet und unterstützt wird. Wer Lust hat, kann auch noch in unserer Fachschule, im dualen Studium, den Beruf des Erziehers bzw. der Erzieherin erlernen.

Wenn Sie Menschen oder Familien kennen, die für eine solche Aufgabe geeignet sind und von denen Sie sich vorstellen können, dass sie interessiert wären, machen Sie sie bitte auf unser „Pflegenest“ aufmerksam. Die Kinder hätten damit eine riesige Chance und sie würden dem Kind, so wie die heiligen drei Könige ein super Geschenk bereiten. Liebe und Geborgenheit, statt Weihrauch und Myrre.

Die Weihnachtsgeschichte symbolisiert, dass Gottes Sohn auch in das Elend hinein geboren wurde. Er wird auf der Suche nach einem Asyl in einer Notunterkunft geboren. Das Kind soll die Hoffnung der Welt sein, die Engel kündigen ihn als Friedensfürst und Retter an. Was ist gemeint? Vielleicht ist das die Aufgabe! Die Welt ist gerettet, wenn kein Kind mehr auf der Flucht ist, jedes eine ausreichende Versorgung erhält, ihm Schutz und Bildung zu Teil wird. Bei den Bildern aus Südamerika und Afrika die momentan durch die Netzwerke und Fernseher gesendet werden, kann ich mir nicht vorstellen, wie wir diese Aufgabe bewältigen können. Zu groß die Not, zu verworren die finanziellen Interessen der beteiligten Akteure. Aber hilft es, vor der Verantwortung zu fliehen, weil die Aufgabe zu groß ist oder geht es vielmehr darum, dem Schein der Hoffnung zu folgen, wie die Hirten von Betlehem?

Sie, die ausgestoßenen Gesellen, folgen dem Lichtschein, trauen sich in die Situation zu gehen, finden das Kind in der Krippe und dann? Davon wird nichts berichtet, außer dass Sie frohen Herzens sind. Ich stelle mir vor, sie spendeten ein Fell, damit das Kind besser liegt oder eine Zudecke hatte, haben der Mutter etwas Schafs- oder Ziegenmilch und ein Stück Fladen zur Stärkung gegeben. Sachen, die die Hirten entbehren konnten wurden gereicht, Dinge geschenkt, die im Überfluss da waren. Das Kind hat ihr Herz erreicht und den Beutel geöffnet, nicht viel, nicht existenzgefährdend, nur ein wenig. Aber ein hoffnungsvolles Zeichen.

Die Weihnachtsgeschichte gibt uns in meinem Brief vier Rollen vor. Engel, Kind, heilige drei Könige oder Hirte. Wählen Sie Ihre Rolle aus! Wer wollen Sie sein? Wenn Sie Ihre Wahl getroffen haben versuchen Sie, der Rolle 2020 Gestalt zu geben, sie mit vollem Herzen auszufüllen, Gott wird mit Ihnen sein!

Ein gesegnetes Weihnachtsfest und ein aufregendes neues Jahr als Kind, Engel, König oder Hirte wünschen Ihnen Klaus Roth und Dietmar Linde.

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