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Wir gratulieren 22 Migrant*innen zum erreichten Schulabschluss

Zeugnisverleihung des Projekts LOOP im Peißnitzhaus in Halle

Im Garten des Peißnitzhauses in Halle gab es heute viele glückliche Gesichter zu sehen. In einer feierlichen Zeremonie wurden 22 Teilnehmer*innen des Projekts LOOP das Haupt- oder Realschulzeugnis überreicht.

Seit über 10 Jahren unterstützt das Projekt LOOP Migrant*innen im Alter zwischen 17 und 27 Jahren beim Schulabschluss und der Berufsorientierung. Ziel des Projektes LOOP ist die soziale und berufliche Integration jugendlicher Migrant*innen. Dafür werden sie in einer eigenen Einrichtung des Projekts zielgerichtet auf die Prüfung zum Erwerb eines Schulabschlusses (sog. Nichtschülerprüfung) vorbereitet und bis zum Ende der Prüfungsphase fachlich und sozialpädagogisch begleitet. 2014 gab es dafür den Integrationspreis des Landes Sachsen-Anhalt. Träger des Projekts ist die St. Johannis GmbH, einer Gesellschaft der Stiftung Evangelische Jugendhilfe St. Johannis Bernburg, und die Einrichtung wird unterstützt von Wir helfen e.V. der Mitteldeutschen Zeitung.

Dieses Jahr haben mit mehr als 60% überdurchschnittlich viele der Teilnehmer*innen einen Schulabschluss erlangt, obwohl es, wie überall, einige coronabedingte Schwierigkeiten bei der Durchführung des Unterrichts gab.

Zur feierlichen Zeremonie fanden sich die Schüler*innen samt Freunden und Familie, Lehrer*innen, Mitarbeiter*innen der St. Johannis GmbH und Almuni im tollen Ambiente des Peißnitzhauses unter freiem Himmel zusammen. Eröffnet wird dieser wichtige Tag für die Migrant*innen von Manuela Diegmann, Leiterin des Projekts LOOP, und Anna Manser, Vorstandsmitglied der Stiftung Ev. Jugendhilfe.

Anna Manser, Vorstandsmitglied der Stiftung Ev. Jugendhilfe

In ihrer Begrüßungsrede, fühlt Anna Manser mit den Absolvent*innen: “Dort hat man Sicherheit und Schutz in Eurem LOOP, da kann man sehr gut lernen. Ich habe mir vorgestellt, wie ihr so die ersten Tage dort gesessen habt, ganz zu Anfang. Ob ihr da Angst hattet und was ihr da gefühlt habt, was ihr für Träume hattet. Und ein Traum, der ist heute in Erfüllung gegangen: Ihr kriegt Zeugnisse.”

Anschließend verteilt Frau Manser an alle kleine Kärtchen auf denen steht: “Niemand fällt, wenn wir zusammenhalten”.

Sie erklärt: “Bei der Karte habe ich ans LOOP gedacht, weil alle die im LOOP sind, die wissen, dass das stimmt. Ihr habt bestimmt schon alle so über dem Abgrund gehangen und jemand hat euch gehalten. Vielleicht in der Schule, wenn ihr keine Lust mehr hattet zum Unterricht zu gehen oder ihr habt gedacht, ihr könnt das nicht oder schafft das sowieso nie. Und die Lehrerin oder der Lehrer hat gesagt, du schaffst das. Du musst nur hierher kommen, ich erkläre dir das nochmal. Du kriegst dein Zeugnis.” Sie wünscht den Teilnehmer*innen viel Mut und Sicherheit, um einen stabilen, festen Boden unter den Füßen zu spüren, der jetzt mit den Zeugnissen schon etwas fester geworden ist.

“Auf dem Zeugnis steht zwar, was ihr in Deutsch für eine Zensur habt und in Mathematik und Geschichte, Geografie und Englisch. Aber hier in Eurem Herzen, da steht, was ihr im LOOP auch gelernt habt: Sicherheit und Stabilität und wie schön das ist auf sicherem Boden zu stehen und dass Menschen zu Euch halten. Ich wünsche Euch dieses Gefühl, nehmt das mit in Euer Leben.”

So schließt Frau Manser ihre gefühlvolle Rede und übergibt an Manuela Diegmann, die das vergangene Schuljahr Revue passieren lässt. Trotz des phasenweisen Distanzunterrichts und Corona-Fällen in einigen der Klassen, ist sie sehr stolz auf die guten Fortschritte ihrer Schüler*innen und auf das Lehrerkollegium. Als Dank überreichen Vertreter der vier Schulklassen allen Lehrer*innen Blumen.

Vor der Zeugnisübergabe gab es noch eine Überraschung für die Teilnehmer*innen. Das Improtheater-Duo “Improsant” trat auf und bot eine tolle Vorführung mit viel Energie und Witz.

Das Improtheater-Duo “Improsant”

Zur Ausgabe der Zeugnisse wurde jede Absolventin und jeder Absolvent einzeln von Manuela Diegmann und dem oder der Klassenlehrer*in auf eine sehr gefühlvolle und persönliche Art beglückwünscht. Aus den drei Abschlussklassen erlangten insgesamt 22 von 26 Prüfungsteilnehmer*innen einen Abschluss. Vier Schüler*innen erhielten den Hauptschulabschluss und bleiben auch im nächsten Schuljahr im LOOP, um für den Realschulabschluss weiterzulernen. Diesen erreichten in diesem Schuljahr 11 Schüler*innen. 7 schafften den erweiterten Realschulabschluss und qualifizierten sich somit für die gymnasiale Oberstufe. Einige möchten nun gern ihre Fachhochschulreife in den Angriff nehmen.

Manuela Diegmann, Leiterin des Projekts LOOP
Vorführung des Improtheaters “Improsant”

Gazal, Waseem und Rama aus Syrien berichten über ihre Zukunftspläne:

Gazal Alain, 22 Jahre:

“Mein Name ist Gazal Alaid und ich habe dieses Jahr die 10. Klasse mit dem erweiterten Realschulabschluss gemacht. Ich möchte nächstes Jahr das Fachabitur am Friedrich-Lizst Fachgymnasium machen und fange dort in der 11. Klasse an. Meine Lieblingsfächer sind Biologie und Mathematik.”

Waseem Kshek, 23 Jahre:

Ich heiße Waseem Kshek und bin 23 Jahre alt und ich komme aus Syrien. Dieses Jahr habe ich die 10. Klasse mit dem erweiterten Abschluss geschafft. Nächstes Jahr fange ich meine Ausbildung als Pflegefachkraft an. Meine Lieblingsfächer waren Geo und Deutsch.

Rama Altinawy, 21 Jahre:

“Ich bin Rama und ich bin 21 Jahre alt und ich komme auch aus Syrien. Dieses Jahr habe ich die 10. Klasse gemacht und habe den erweiterten Realschulabschluss geschafft – endlich. Nächstes Schuljahr mache ich das Fachabitur in Richtung Verwaltung und Wirtschaft. Meine Lieblingsfächer sind Deutsch und Mathe.”

Waseem, Gazal und Rama

Wir möchten allen Absolvent*innen ganz herzlich zu dieser tollen Leistung gratulieren. Wir wünschen ihnen viel Erfolg dabei, ihre Ziele zu erreichen und vor allem viel Zuversicht und Freude auf dem Weg dorthin.

Ein ganz besonderer Dank gilt an dieser Stelle Manuela Diegmann für ihre leidenschaftliche Leitung des Projekts LOOP und allen Lehrer*innen, die für ihre Schüler*innen vollen Einsatz zeigen und ihren Schüler*innen eine helfende Hand reichen.

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